Die Osterinsel- Der Nabel der Welt

Als Niederländer an einem Ostersonntag im Jahr 1722 mit drei Schiffen auf einer entlegenen Insel mitten im Ozean landeten, benannten sie diesen nach dem Tag ihrer Entdeckung, die Osterinsel. Für ihre Bewohner war die Insel jedoch seit je her der Mittelpunkt allen Seins und wurde von ihnen te pito o te Henua getauft, „Nabel der Welt“.

3700 Kilometer vom amerikanischen Festland und 4.000 Kilometer von Tahiti entfernt liegt die Osterinsel. Sie gilt aufgrund ihrer isolierten Lage im Südostpazifik als die abgeschiedenste Insel der Welt. Politisch gesehen gehört die Osterinsel zum südamerikanischen Chile, war jedoch niemals mit einer kontinentalen Landmasse verbunden. Die Amtssprache auf der Osterinsel ist spanisch, häufig hören Reisende hier jedoch auch einen ostpolynesischen Dialekt namens Rapanui.

Die rund viertausend Bewohner der Osterinsel leben heute ausschließlich vom Tourismus, der hier seit ungefähr 44 Jahren betrieben wird. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche, mehrsprachige Reiseführer, die Erkundungstouren anbieten, sowohl zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Geländewagen. Besonders empfehlenswert ist eine Reise auf die Osterinsel in den warmen Monaten Januar und Februar oder im regenärmsten Monat November. Die durchschnittliche Wassertemperatur beträgt um die Insel 18 Grad, die Jahresdurchschnittstemperatur hingegen 21 Grad.

Die Insel ist etwa halb so groß wie Malta und besitzt den Status einer Provinz, sie ist bis heute zollfreies Gebiet. Am einfachsten erreichen Reisende die Insel von Tahiti aus von Santiago de Chile mit der Fluggesellschaft LAN Chile. Beim Anflug auf die 164 Quadratmeter große Osterinsel, erscheint sie Reisenden in der Form eines rechtwinkligen Dreiecks.

Seit dem Jahr 1995 gehören die Osterinseln mit ihrem Nationalpark Rapa Nui zum Weltkulturerbe. Bekannt wurde die Insel durch die Moais, kolossale Steinskulpturen, die aus einer Höhe von zehn Metern auf die Menschen herabblicken. Ursprünglich existierten davon vermutlich 1.000 an der Zahl, heute sind es noch genau 887. Reisende werden gebeten sich nicht auf die Statuen zu setzen, da sie auf einem geweihten Ort, der Altarplattform Ahu Tahai stehen und zum Andenken an verstorbene Herrscher aufgestellt wurden.

Für die Bewohner sind sie ein Symbol für die Macht der Familie und dem Respekt vor dem Tod. Ein weiteres Zeugnis für die jahrhundertealte Kultur auf der Osterinsel ist der sogenannte Vogelmannkult und die im Pazifik einzigartige Inselschrift Rongorongo. Zahlreiche Vogelmannfiguren sind in der Südsee verbreitet und erinnern an die alte Inseltradition nach der jungen Männer zu einer vorgelagerten Insel schwammen um das erste Ei der Rußseeschwalbe zu finden und unbeschädigt zurück zubringen. Wem dies gelang wurde zum neuen Vogelmann genannt und erfreute sich ein Jahr lang besonderer Privilegien.

Die Besiedlung der Insel wird mit dem sagenumwobenen König Hotu Matua in Verbindung gebracht, der mit seinen polynesischen Gefolgsleuten im 14.Jahrhundert die zweite Besiedlungswelle in Gang brachte. Die erste Besiedlung der Osterinsel wird auf das Jahr 400 geschätzt. Auf der Insel selbst befinden sich sowohl einfache Gästezimmer, als auch drei Sterne Hotels. Die Einheimischen auf der Osterinsel sind äußerst Gastfreundlich und schenken Reisenden nicht zu selten wunderschöne Muschelketten zum Abschied. Sie gelten als Glücksbringer und herzliche Einladung eines Tages auf ihre geliebte Insel zurückzukehren.

Von Julia Marlen Lang