Vor rund 37 Millionen Jahren befand sich im heutigen Tal der Wale das urzeitliche Tethysmeer. Als tektonische Kräfte damit begannen das Gebiet an zu heben, wich der Ozean allmählich zurück und die verbleibenden Meereslebewesen wurden von Sedimenten umhüllt. Darunter waren Muscheln, Korallen und allen voran eine 700 Kilo schwere ausgestorbene Unterordnung der Wale, bei dem es sich um ein fünfzehn Meter langes Säugetiere mit hochentwickeltem Unterwassergehör, kraftvollen Schwanzflossen und kleinen Hinterbeinchen handelte.
Über die Jahre trug der Wind den Sandstein um die Fossilien herum ab. Der Meeresboden verwandelte sich schließlich in die Wüste mit dem klangvollen Namen „das Tal der Wale“ und die Welt um sie herum begann sich zu verändern. Heute gilt das Tal der Wale als echter Geheimtipp für einen Tagesausflug bei einer Ägyptenreise und wird von Reisenden ausnahmslos als unvergessliches Erlebnis durch einen fast surreal wirkenden Anblick beschrieben. Reisende Bewegen sich hier auf Augenhöhe der kolossalen Wale, als würden sie in ihre maritime Welt eintauchen.
Um die Walskelettes vor Schäden zu schützen, dürfen interessierte Reisende heute lediglich zu Fuß das Tal der Wale durchlaufen. Zu diesem Zweck wurde ein mit Seilen abgegrenzter Spazierweg um rund ein Dutzend der sehenswertesten Fundorte angelegt. Ausgebildete Wüstenführer begleiten Reisende gerne durch diesen Parkour um ihnen aufkommende Fragen zu beantworten und nützliches Hintergrundwissen zu liefern.
Das Tal der Wale im Westen Ägyptens ist ein Zeugnis für die wohl erstaunlichste Wandlung in der uns bekannten Evolutionsgeschichte, die Entwicklung der Wale von am Land lebenden Tieren zu Wasserwesen. Seit dem Jahr 1830 wurden hier mehr als tausend Walskelette entdeckt und machten aus dem Tal der Wale einen heißbegehrten Ausgrabungsort für Wissenschaftler weltweit. Der bekannteste unter ihnen, Wirbeltierpaläontologe Philip Gingerich, hat es sich zum Lebensziel gemacht alle noch verborgenen Walskelette in dieser Trockenwüste zu finden.
Von Julia Marlen Lang