Die rund 170.000 bolivianischen Einwohner der Silberstadt Potosí empfangen ihre Besucher mit ihrer typisch herzlichen Art und heißen jeden willkommen. Die von den Anden umgebene Stadt, gilt als die höchste der Welt, und sollte aufgrund der Luftveränderung langsam bestiegen werden.
Neben den legendären Silbermienen des Berges Cerro Rico, zu Deutsch der „reiche Berg“, erwarten die Besucher der Silberstadt Potosí hier zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Besonders beliebt sind die heißen Thermalquellen rund um Potosí, beispielsweise an der Vulkanlagune Tarapaya gelegen. Doch auch die Silberstadt an sich hat für Touristen viel zu bieten.
Besonders eindrucksvoll sind dabei die außergewöhnlich gut erhaltenen Wohnpaläste der einstigen Mienenbesitzer, die hier im 17. Und 18. Jahrhundert ein verschwenderisches Leben in Reichtum führten. Sie prägten die Redensart „vale un Potosí“, was so viel bedeutet wie „Es ist ein Vermögen wert“.
Weltbekannt sind neben dem königlichen Schatzhaus Casa de la Moneda, auch die Kirchen der Silberstadt Potosí, darunter die Kirchen San Lorenzo, San Sebastian und das Kloster Santa Teresa. Die Kommission von UNESCO ernannte die Silberstadt Potosí darum im Jahr 1987 zum Weltkulturerbe.
Einen optischen Kontrast zu all dem Prunk dieses kolonialen Architekturerbes finden Touristen in den Arbeiterquartieren „Ebarrios mitayos“. Einen Besuch wert ist auch der sogenannte Markt der Mienenarbeiter, dabei handelt es sich um den weltweit einzigen Markt auf dem neben 96-prozentigem Alkohol auch legal Dynamit erworben werden kann.
Keine Stadt ist dem Himmel so nahe wie die Silberstadt Potosí in Bolivien. Und doch nannten die Dominikanermönche sie einst „die Eingangspforte zur Hölle“. Denn um an das wertvolle Silber zu gelangen, aus dem die königlichen Münzen geprägt wurden, schickten die spanischen Besetzer zahlreiche indianische Ureinwohner in die Bergmienen von Cerro Rico.
Die menschenunwürdigen Verhältnisse und der geringe Sauerstoffgehalt, kostete dabei vielen von ihnen das Leben. Nach einem Besuch der Silberstadt Potosí schrieb der Vizekönig von Peru im Jahr 1699 „Nach Spanien wird nicht Silber, sondern Indianerblut und Indianerschweiß verschifft.“
Noch heute setzen die rund 4000 Bergmänner der Silberstadt Potosí, mit Coco-Blättern in ihren Backen, bei dieser gefährlichen Arbeit täglich ihr Leben aufs Spiel um neben dem kostbaren Edelmetall Silber auch Zinn und Kupfer an die Oberfläche zu fördern.
Und dies, obwohl der Abbau seit Mitte des 17.Jahrhunderts zunehmend schwieriger wird. Doch in der Blütezeit der Stadt sagt man, es hätte eine Straße aus reinem Silber von Potosí nach Sevilla gebaut werden können. Das lokale Tourismuszentrum von Potosí organisiert heute gesicherte Mienenführungen für Touristen mit professioneller Bergmannsausrüstung und geschulten Mienenguides.
Die Touristen von Potosí erhalten dabei die Chance einen echten Einblick in das Leben eines bolivianischen Mienenarbeiters zu bekommen und sie gleichzeitig mit ihrem Besuch zu unterstützen, da ein Teil der Einnahmen dieser Führung den Minenarbeitern zu Gute kommt.
Von Julia Marlen Lang