Die Ruinenstätte von Nemrut Dagi, im Südosten der Türkei, befindet sich in rund 2.169 Metern Höhe. Den Aufstieg sollten Reisende je nach Kondition demnach gemächlich angehen lassen. Der gleichnamige Berg gehört zum Taurusgebirge und liegt in der türkischen Provinz Adiyaman.
Eine Reise dorthin führt an einer anmutigen Landschaft mit gelben Getreidefeldern, reichen Pistazienplantagen und grünen Olivenhainen vorbei. Die Ruinenstätte von Dagi war lange Zeit in Vergessenheit geraten und erst im Jahr 1881 von einem deutschen Ingenieur wiederentdeckt. Seitdem forschen hier deutsche, türkische und amerikanische Archäologen systematisch Hand in Hand unter anderem mit Hilfe der modernsten geophysikalischsten Methoden.
Die Ruinenstätte von Nemrut Dagi wurde als letzte Ruhestätte ausgewählt, da sich der Auftraggeber Krieger Antiochos der Erste nahe bei den Göttern wissen wollte. Er war der bedeutendste Herrscher des hellenistischen Königreichs von Kommagene, welches nach dem Zusammenbruch von Alexander dem Großen entstand.
Noch zu seinen Lebzeiten, in den Jahren 69 bis 34 vor Christus, ließ der selbst ernannte Gott „Antiochos Theos“ rund 200.000 Quadratmeter massiven Felsgesteins abtragen, zerkleinern und zur Erschaffung seines eigenen Mausoleums wieder auf den Berg Nemrut Dagi befördern.
Das Ergebnis, die Ruinenstätte von Nemrut Dagi ist bemerkenswert, eine Kombination aus Heiligtum und Grabstätte, in monumentalem Ausmaßes, die zu recht im Jahr 1987 unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes gestellt und ein Jahr später zum Nationalpark erklärt wurde.
Die Ruinenstätte von Nemrut Dagi besteht neben einem 50 Meter hohen Grabhügel, hinter dem Antiochos selbst vermutet wird, aus drei beeindruckenden Terrassen, die zum Teil große Freilufttempel bilden und in verschiedene Himmelsrichtungen zeigen.
Die Nordterrasse empfängt die Reisenden mit einer Vielzahl von beschützenden Löwen- und Adlerskulpturen. Die Westterrasse hütet das sogenannte Löwenhoroskop, in Form eines 2 mal 2,5 Meter großen Reliefs. Diesem Artefakt wird eine enorme Bedeutung beigemessen, da es als das älteste Horoskop der Welt gilt. Hier befinden sich ebenfalls Kolossalfiguren mit einer Größe von bis zu zehn Metern, teilweise in sitzender Position, teilweise mit abgeschlagenen Köpfen, inmitten verschiedener Gottheiten ließ sich Antiochos Theos selbst in Stein verewigen.
Aufgrund dessen gilt dieser Teil der Ruinenstätte von Nemrut Dagi als der heiligste des gesamten Berges. Ein weiterer Höhepunkt der Ruinenstätte von Nemrut Dagi bildet die Ostterrasse, die sich über eine Fläche von 500 Quadratmetern erstreckt und neben weiteren Figuren auch einen großen Feueraltar besitzt.
Reisenden ist dieser Ausflug besonders zum Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang zu empfehlen, zu dieser Tageszeit wirkt die Ruinenstätte von Dagi in der wildromantischen Gebirgslandschaft besonders eindrucksvoll. Eine wichtige Hintergrundinformation für die Besichtigung der Ruinenstätte von Nemrut Dagi liegt in der außergewöhnlichen Ideologie seines Schöpfers Antiochos Theos. Dieser verfolgte das Ziel eine neue Religion ins Leben zu rufen, welche persische und griechische Elemente zu gleichen Teilen miteinander vereinen sollte.
Seine Herkunft leitete er dementsprechend mütterlicherseits von Alexander dem Großen und von Zeus ab, väterlicherseits von mehreren persischen Königen und dem größten persischen Gott Ahura Mazda. Dies erklärt die paradoxen Darstellungen der Ruinenstätte von Nemrut Dagi wie etwa die von Zeus in persischen Gewändern mit persischem Diadem und Tiara.
Von Julia Marlen Lang