Die Ruinen von Karthago stammen aus dem neunten Jahrhundert vor Christus und entstanden der Legende nach durch die List einer klugen Frau namens Elissa. Diese floh mit ihren Anhängern vor ihrem rachsüchtigen Königsbruder aus Tyros in die Nähe der heutigen tunesischen Hauptstadt Tunis und erbat von einem Numiderfürsten nur so viel Land, wie eine Ochsenhaut umfassen kann.
Elissa schnitt die Haut in dünne Fäden und umsäumte damit eine überraschend große Fläche, an der heute die Ruinen von Karthago stehen. Jahrhunderte später wurde durch den mitreisenden Bestsellerroman Salammbo von Flaubert die düsteren Geheimnisse über die grausamen Opferrituale des Totenkults von Karthago bekannt. Tatsächlich wurden in den Ruinen von Karthago mehrere tausend Kinderskelette entdeckt, welche auf archaische Riten hindeuten, vermutlich um den damaligen Gottheiten Baal und Tanit zu huldigen.
Dies änderte sich bereits Ende des zweiten Jahrhunderts, als Karthago zum Zentrum des frühen Christentums in Nordafrika wurde. Eine Ausgrabung in den heutigen Ruinen von Karthago förderten die ältesten christlichen Dokumente in der lateinischen Sprache zu Tage. Desweiteren gehen Archäologen vor Ort von einer Einwohnerzahl über 400.000 Menschen, sowie einer Ausdehnung der damaligen Siedlung über mehr als vierundzwanzig Hektar Land und einem Küstenabschnitt von insgesamt 800 Metern aus. Aufgrund dieser günstigen Lage erklärt sich auch die wirtschaftliche und militärische Dominanz von Karthago im gesamten Mittelmeerraum.
Eine Reise zu dieser prestigeträchtigen Stadt lohnt sich jedoch nicht nur aufgrund der Jahrhunderte alten Ruinen von Karthago. Es finden sich zahlreiche Zeugen des einstigen Luxuslebens der Karthager, deren Stadt aufgrund des florierenden Seehandels im vierten und dritten Jahrhundert vor Christus die reichste Stadt des Mittelmeerraums war.
Heute befindet sich neben prachtvollen Villen im römischen Stil mit anmutigen Gartenanlagen, der Präsidentenpalast von Tunesien. Desweiteren können sich Besucher über beeindruckende Fotomotive im alten Amphitheater, dem Zirkus, Odeon, oder der Basilika Maiorum freuen. Tagesausflüge in die Ruinen von Karthago können mit professionellen Führungen gebucht werden und enden meist auf der Terrasse der restaurierten Therme des Antonius Pius.
Von dort aus bietet sich den Reisenden ein atemberaubender Panoramablick auf das saphirblaue Meer Tunesiens und die im Hintergrund emporragende Berglandschaft. Die Ruinen von Karthago gelten heute als die bedeutendste Touristenattraktion Tunesiens, bereits die Straßen dorthin sind mit ihren Allen aus Dattelpalmen ein wahrer Blickfang.
Von Julia Marlen Lang