Der Konfuziustempel in Qufu

Im Jahre 500 vor Christi Geburt lebte und lehrte in China der Philosoph Meister Kong, der in aller Welt nur unter dem legendären Namen Konfuzius bekannt ist. Am Ort seiner Geburt und Schaffensphase in der chinesischen Stadt Qufu, kann heute seine Grabstätte und der ihm zu Ehren errichtete Konfuziustempel besichtig werden.

Kaum ein heiliger Ort in China ist so sehenswert wie der Konfuziustempel in Qufu. Bei einer Chinareise sollte auf keinen Fall ausgelassen werden, da er das geistige Zentrum Chinas bildet. Der Tempelkomplex wurde insgesamt 62-mal restauriert und ist heute nach dem Kaiserpalast in Peking das größte Gebäude in ganz China.

Seit dem Jahr 1994 steht der Konfuziustempel in Qufu unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes. Dieser klassische Baukomplex setzt sich aus 100 Einzelgebäuden mit unterschiedlichen Bedeutungen zusammen. Desweiteren schmücken die Anlage das sogenannte Tor der Vollkommenheit und das Tor zur Vermehrung der Wahrheit, sowie die Halle der Vollkommenheit und der Aprikosenaltar Xing Tan.

An dieser Stelle, haben Besucher des Konfuziustempels in Qufu die einmalige Chance sich an die Stelle zu begeben, an der Konfuzius selbst unter einem Aprikosenbaum sitzend seine Schüler um sich scharte um ihnen seine wertvollen Erkenntnisse für ein glückliches Leben weiterzugeben. Diese Erkenntnisse lassen sich an den 1000 Stelen aus verschiedenen Dynastien nachlesen. Konfuzius war ein einzigartiger Philosoph und Pädagoge, der sich auch politisch engagierte und stets auf der Suche war nach einer philosophischen Grundlage für einen Zentralstaat.

Sein Glaube sollte über 2000 Jahre nicht nur die Politik des mächtigen Chinas, sondern auch die sozialen und moralischen Vorstellungen seiner Bevölkerung bestimmen. Als Blütezeit des Konfuzianismus gilt das 16. Jahrhundert. Zu den Maximen seines Glaubens zählten Ordnung, Ausgewogenheit und vor allem Frieden.

Besucht man heute den Konfuziustempel in Qufu ist von dieser Ruhe nicht mehr viel übrig, knatternde Mopeds und vorbeiziehende Händler bestimmen die Geräuschkulisse rund um den Konfuziustempels in Qufu. Allein die rund 20.000 Kiefern und Zypressen der Gartenanlage strahlen noch jene Ruhe und Gelassenheit aus, die der Meister selbst immer gepredigt hatte.

Hier empfiehlt es sich ein paar Minuten zu verweilen und tief einzuatmen. Der Familie Kong, der wohl berühmtesten Familie Chinas wurde eine prächtige Residenz mit neun großen Höfen, mehreren hundert Räumen und genauso vielen Gebäuden verrichtet. Dort finden heute noch religiöse Zeremonien statt. Etwas abgelegen vom Konfuziustempel in Qufu ruhen neben Konfuzius selbst mehr als 100 000 seiner Nachfahren aus insgesamt 76 Generationen auf einem 200 Hektar großen Friedhof.

Dieser ist doppelt so groß wie die Stadt Qufu selbst und mit all seinen Steinfiguren einer der beeindruckensten und sehenswertesten Friedhöfe der Welt. Um Konfuzius hier bei seinem ewigen Schlaf nicht zu stören zieht selbst eine neue Eisenbahnstrecke einen großen Bogen um die Stadt Qufu.

Von Julia Marlen Lang