Während der Reise nach El Djem scheinen die kilometerlangen Felder von Olivenhainen seitlich der Straße unendlich, bis sich unerwartet das Amphitheater in beeindruckender Größe über die tunesische Landschaft erhebt.
Das Amphitheater erstreckt sich über 150 Meter Länge, 120 Meter Breite und 36 Metern Höhe. Erbaut wurde das Amphitheater von El Djem unter der Führung des Proconsul Gordianus dem Ersten, nach einem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt aufgrund der vermehrten Olivenölproduktion.
In der Hoffnung ihrem öden Provinzleben zu entfliehen und einen Schauplatz für Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen, öffentliche Hinrichtungen oder Zirkusspiele zugewinnen, erschufen die wohlhabenden Bürger das Amphitheater von El Djem mit einem Fassungsvermögen für 35.000 Besucher, obwohl die Stadt selbst heute wie damals nur 18.000 Einwohner besitzt. Damit ist es nach dem Kolosseum von Rom und dem römischen Amphitheater von Capua das drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches und ein Zeugnis der einst blühenden Kultur Roms.
Tatsächlich nutzen die Tunesier das Amphitheater von El Djem später allerdings um sich vor römischen Steuereintreibern zu verbarrikadieren. Diese waren es schließlich auch, die eine Seitenfront des Bauwerkes einrissen. Forscher vermuten jedoch, dass das Amphitheater von El Djem bis zum 17.Jahrhundert fast unbeschädigt blieb. In den folgenden Jahren nutze El Djem, zu Deutsch „Olivenproduzent“, das Gebäude als Steinbruch.
Heute finden dort im Amphitheater von El Djem hauptsächlich große Konzerte statt. Sehr zu empfehlen ist eine Reise während des jährlichen Jazz-Festivals. Bei einem Besuch im Amphitheater von El Djem können noch heute die Löwengruben und Gefangenzellen sowie die aufwendig restauriert Tribüne von damals bestaunt werden.
Touristen beenden ihren Rundgang über das Gelände gerne am höchsten Punkt des Amphitheaters von El Djem, denn von dort aus erhält man einen atemberaubenden Panoramablick weit über El Djem hinaus. Im Anschluss an den Ausflug zum Amphitheater bietet sich ein Besuch auf dem Gewürzmarkt von El Djem an. Dort verwöhnen exotische Düfte und farbenprächtige Gewürzstände Reisenden mit allen Sinnen.
Das ehrwürdige Bauwerk, in mitten der Sahel Zone, steht seit dem Jahr 1979 auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.
Von Julia Marlen Lang