Der hinduistische Sonnentempel von Konark in Indien

Im indischen Bundesstaat Orissa liegt für Touristen noch ein echter Geheimtipp der indischen Tempelbaukunst verborgen. Der Sonnentempel von Konarak, ist einer der schönsten Tempelanlagen des hinduistischen Glaubens und gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

In Bhubaneswar, der indischen Hauptstadt von Orissa, gab es einst über 7000 hinduistisch geprägte Tempelanlagen von denen heute noch rund 500 gut erhalten sind. Für ihre Götter war den Hindus keine Anstrengung zu groß.

Als schönstes Beispiel dieser indischen Baukunst gilt der Sonnentempel von Konark. Er wurde zu Ehren des Sonnengottes Surya erbaut. Dieser Gott bildete gemeinsam mit dem Feuergott Agni und dem Donnergott Indra eine heilige Einheit. Sie galten als Lebensspender und wurden aus diesem Grund hoch verehrt. Dem Sonnengott Surya wurden heilende Kräfte nachgesagt, aus diesem Grund pilgern neben zahlreichen frommen Hindus auch todkranke, und verkrüppelte Inder zum Sonnentempel von Konark.

Es ist ihr fester Glaube an ein besseres Leben nach dem Tod, der sie an diesen heiligen Ort am Golf von Bengalen führt. Diese Menschen auf ihren primitiven Holzkarren bilden für europäische Touristen im ersten Moment sicherlich einen erschreckenden Anblick, dem gegenüber begegnen einem hier auf dem Weg zum Sonnentempel von Konark aber auch unbeschwerte Schulkinder in farbenprächtigen Uniformen, deren Lachen fast ansteckend wirkt.

Der Sonnentempel von Konark wurde bereits im 13.Jahrhundert, unter dem damaligen König Narasimha, erbaut. Der Tempel trägt die Form einer Pyramide, die oft auch als kosmischer Wagen bezeichnet wird. Sieben kostbar verzierte Pferde aus Stein sind vor dem Tempel eingespannt und symbolisieren jeden einzelnen Tag der Woche.

An beiden Seiten des Sonnentempels von Konark finden Besucher jeweils zwölf imposante Speicherräder die in den Stein gemeißelt wurden. Sie stehen symbolisch für die zwölf Monate eines jeden Jahres und passen mit ihren aufwendigen Steinmetzarbeiten ins Gesamtbild des Sonnentempels von Konark.

Durch ihren enormen Durchmesser von drei Metern bieten sie reichlich Fläche für erotische Darstellungen der hinduistischen Liebeskunst, bekannt als Tantrakult. Auch diese Fassette gehört zu den brahmanischen Heiligtümern Indiens.

Vom ursprünglich 70 Meter hohen Turm des Sonnentempels von Konark ist heute leider nicht mehr viel Übrig, dennoch bietet sich den Tempelbesuchern von der Spitze aus ein beeindruckender Ausblick auf die exotische Umgebung Orissas. Dort oben können Touristen auch die anmutige Statue des Sonnengottes Surya aus grünem Granit bewundern.

Die Hindus glauben, dass ihr Gott Surya in diesem Wagen täglich über das Firmament fährt. Eine Reise an diesen heiligen Ort des Sonnentempels von Konark ist vor allem im Dezember zu empfehlen, denn jedes Jahr um diese Zeit findet hier das Festival des indischen Tanzes statt.

Von Julia Marlen Lang