Die buddhistischen Höhlen von Mogao

Entlang der berühmten Seidenstraße von China, befindet sich die zauberhafte Unterwelt buddhistischen Höhlen von Mogao. Die einheimischen Chinesen nennen diesen heiligen Ort Mogaoku, was so viel bedeutet wie „Unvergleichliche Höhlen“. Bei einer Reise in die chinesische Provinz Gansu kann man sich davon selbst überzeugen.

Obwohl der Buddhismus und damit auch die buddhistische Höhlenkunst einst aus Indien kam, erfreuten diese sich in China schnell größer Beliebtheit und wurde in die weltoffene Religion der Chinesen eingebettet. Die buddhistischen Höhlen von Mogao entstanden zwischen dem vierten und dem vierzehnten Jahrhundert nach Christus und blieben bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gänzlich unberührt.

Die buddhistischen Höhlen von Mogao bestehen aus insgesamt 492 Höhlen, die sich über eine Fläche von 41,8 Quadratkilometern erstreckt und mit ihren hellen Wandmalereien in verschiedenen Schattierungen, ein Zeugnis für die unglaubliche Handwerkskunst zu Zeiten der Tang- und Yuan-Dynastie darstellen.

In der Entstehungsphase der buddhistischen Höhlen von Mogao war China eine weltweit anerkannte Supermacht und die Hauptstadt der Tang-Dynastie eine der größten Städte auf Erden. Über den internationalen Handelsweg der Seidenstraße wurden Seide, Tee und Keramik nach Persien gebracht und Gold, Edelsteine und Pferde nach Xian.

Die buddhistischen Höhlen von Mogao, sind nicht nur aufgrund ihrer kulturell wertvollen Entstehungsgeschichte ein sehenswertes Reiseziel. Ihre vielfältigen Funktionen für die damaligen Dynastien sind weltweit einzigartig.

Die buddhistischen Höhlen von Mogao waren Standort für psychologische Unterweisungen und zur Festigung politischer Beziehungen. Auf den Wänden bekamen die Kaiser, Götter und reiche Mäzene einen Ehrenplatz, dennoch finden sich dort auch Malereien mit gewöhnliche Bürgern und ethnischen Minderheiten als Motiv und belegen damit gesellschaftliche und kulturelle Integration von verschiedensten Individuen.

Die Wandmalerei der buddhistischen Höhlen von Mogao sollte den buddhistischen Glauben an eine Nachwelt weitergeben, für den Fall, dass diese des Lesens nicht mächtig sein würde. Desweiteren sollten sie vorbeiziehende Pilger von der Existenz und Schönheit eines Zwischenparadieses nach dem buddhistischen Glauben überzeugen.

Der Legende nach saß an dieser Stelle der Höhlen einst ein Mönchsschüler inmitten von goldenem Licht und hatte die Vision von ihn umgebenden Jungfrauen und Musikern. Ehrfürchtig meißelte er augenblicklich seine Vision in den Sandsteinfelsen um ihn herum. Die buddhistischen Höhlen von Mogao überlebten Raubzüge, Kriege und Naturgewalten, doch die größte Gefahr geht laut den verantwortlichen Forschern vor Ort von den Touristenströmen aus.

Um die weltweit bedeutendste Schatzkammer buddhistischer Kunst zu besichtigen reisten bereits Millionen von Menschen zu den buddhistischen Höhlen von Mogao. Die Einnahmen kommen der Dunhuang-Akademie zu Gute, die sich um die Rekonstruktion und Konservierung der Höhle kümmert.

Um sie dennoch bestmöglich zu schützen dürfen stand heute nur noch Gruppen von jeweils 10 Menschen gleichzeitig in jeweils vierzig ausgewählte Höhlen von Mogao. Eine Reise zu diesem Wunderwerk des Buddhismus lohnt sich dennoch, denn die bogenförmige Felswand mit einer Höhe von dreißig Metern ragt bereits von weitem sichtbar aus den windgepeitschten Dünen Mogaos heraus und bietet einen atemberaubenden Anblick.

Von Julia Marlen Lang